Was ein Reiseführer über "Nibelungenfieber" schrieb.
Es war eine ziemliche Überraschung, als wir erfuhren, dass ein Odenwald-Reiseführer unsere fiktive Kleinstadt Loch unter seine Sehenswürdigkeiten aufnahm. Das kann nicht jeder Romanautor von sich behaupten. Vielleicht haben wir etwas richtig gemacht.
Von Getrud und Joachim Steiger

Aus: 111 Orte im Odenwald, Spessart und an der Bergstraße, die man gesehen haben muss
 
Die Nibelungenfestspiele
Nicht real, aber existent
 

Astrid Ule und Eric T. Hansen haben etwas Außergewöhnliches erschaffen. Sie haben einer Kleinstadt im Odenwald welthistorisches Interesse verschafft, obwohl es diesen Ort überhaupt nicht gibt.

Loch im Odenwald ist fiktiv, ist der überbordenden Phantasie der Frankfurter Autorin Astrid Ule und des hawaiianischen Amerikaners (oder amerikanischen Hawaiianers?) Eric T. Hansen entsprungen. Gut, bei hawaiianischen Amerikanern muss man wohl schon einmal ein Auge zudrücken, aber bei einer deutschen Autorin, die noch dazu in der Diaspora des Odenwalds geboren würde?

Zur Story von "Nibelungenfieber": Loch ist, wie erwähnt, eine sehr kleine Kleinstadt im tiefsten Odenwald, in der man nach einem Hochwasser einige Gegenstände findet und auf die Idee verfällt, hierbei könnte es sich um Teile des Nibelungenschatzes handeln.

Hurra und Heureka!

Endlich ist etwas los in dem verschlafenen Nest weit hinter dem Mond, endlich hat man die Chance, auch einmal in der Premier League zu spielen.

Man plant große Festivals, den Ausbau des Straßennetzes, Loch wird ab sofort mit einem ganz anderen Gesicht erscheinen. Ein amerikanischer Journalist taucht auch noch auf, vermeldet die Story weltweit, und das Chaos nimmt seinen Lauf.

Es sei hier nochmals betont: Man braucht nicht auf die Suche nach Loch zu gehen, man wird Loch nicht im Atlas finden. Loch findet man trotzdem überall. Auch im Odenwald, Spessart oder der Bergstraße. Loch ist ein Abbild aller Städte und Gemeinden bundes-, europa- und weltweit. Diese Typen, die in Loch das große Rad drehen wollen, diese Blender und Zocker, man findet sie an jeder Ecke. Frei nach Karl Marx, der meinte, dass weltgeschichtliche Tatsachen und Personen sich immer zweimal ereignen – einmal als Tragödie und einmal als Farce -, ist der Roman von Astrid Ule und Eric T. Hansen zu lesen.

Einige Bemerkungen zu "Nibelungenfieber" in "111 Orte im Odenwald"
Die Inspiration für unsere kleine Farce kam durch die Mockumentaries von Christopher Guest, und so versuchten wir, den Ort und seine Einwohner so real darzustellen wie möglich, vor allem das Städtchen, das man sogar geographisch verorten kann (es steht bloß nicht da, wenn man dort ankommt). Scheinbar haben wir gut recherchiert, denn als wir eine Lesung in der Odenwälder Buchhandlung von Gertrud und Joachim Steiger gaben, sagten sie uns, dass die Leser dort immer wieder fragten, auf welchen realen Personen die Figuren im Buch denn basieren. Ein paar Jahre später schrieben die Steigers diesen Reiseführer und nahmen Loch mit rein.
 
Für uns als Autoren gibt es keine größere Ehre.
 
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