66 Fragen über Deutschland, die Sie nie zu fragen wagten.
Als wir "Planet Germany" schrieben, erkannten wir, wie wenig die Deutschen über ihr eigenes Land wissen. Also sammelte ich die ungewöhnlichsten Fragen über die Sprache, die Kultur, die Beziehung zum Staat, Geschichte, Moral, Klischees und andere Missverständnisse, die mir einfielen. Und ging auf die Suche nach Antworten - in der ganzen Welt.
Drei ganz normale Fragen.

Frage 66:
Wie verführe ich eine schöne Türkin?

A) Ich imponiere sie mit einem goldenen Handy
 
B) Ich imponiere sie, indem ich im Restaurant getrennte Rechnungen verlange, um ihr meinen Respekt als unabhängiger, moderner Frau zu erweisen
 
C) Ich imponiere sie, indem ich einen Bauchtanzkurs belege
 
D) Mit total unglaubwürdigen Komplimenten
 

 
Inzwischen ist es kein Geheimnis mehr, dass ein Großteil der schönsten Frauen Deutschlands türkischer Abstammung ist. Das mag am südländischen Teint liegen oder daran, dass sie die Kunst der prächtigen Frisur noch nicht verlernt haben. Vielleicht liegt es auch am Stolz in ihren Augen: Wer auf unnahbare Frauen steht, kann all die schönen Türkinnen ringsumher kaum übersehen haben.

Nur, unsereins hat ein fast unlösbares Problem: Wie nähere ich mich ihnen?

Für all diejenigen, die sich mit der obigen Frage herum- schlagen, habe ich ein wenig Feldforschung betrieben. Ich rief eine deutsche Türkin an, die ich sehr verehre, seit ich ihr witziges Buch Einmal Hans mit scharfer Soße gelesen habe, und fragte sie, was ihre Landsmänninnen wirklich beeindruckt.

Hatice Akyün war skeptisch.

"Bist du mit dem Fahrrad gekommen?", fragte sie prüfend, als wir uns später gegenübersaßen.

"Aber klar", sagte ich etwas aus der Puste und nahm meinen Fahrradhelm ab. "Man braucht doch in Berlin kein Auto."

Sie machte ein Gesicht, als hätte sie Zahnweh. "Wie oft hast du einen türkischen Mann auf einem Fahrrad gesehen?", wollte sie wissen. "Oder gar mit einem Fahrradhelm? Das ist dieses deutsche Sicherheitsding. Das sieht so doof aus. Der deutsche Mann mit Fahrradhelm sieht aus wie eine Schildkröte. Da habe ich keine Lust mehr. Kannst du tanzen?"

"Na ja", druckste ich. "Ich bin lernfähig ..." Das war ein wenig übertrieben.

"Du musst tanzen wie ein Türke. Ganz typisch ist das Antanzen in den Discos. Wenn ein Mann eine Frau kennenlernen will, nähert er sich ihr tanzend auf der Tanzfläche und achtet darauf, wie sie reagiert. Die Deutschen stehen in der Ecke oder gehen auf die Tanzfläche und tanzen für sich. Und wenn du mit einer Frau weggehst, wer zahlt: du oder die Frau?", fragte Hatice streng.

"Na, ich denke, die Frau von heute verdient ihr eigenes Geld und ist auch stolz darauf ..."

"Bei einem Date gibt es keine Diskussion darüber, wer zahlt", schnaubte Hatice. "Der Mann darf nicht einen Gedanken daran verschwenden. Das ist so selbstverständlich, dass eine türkische Frau, wenn sie mit einem Mann ausgeht, nicht mal daran denkt, ihr Portemonnaie mitzunehmen. Wenn der Mann beim ersten Date auf getrennten Rechnungen besteht, ist es aus. Es ist eine Beleidigung höchsten Grades, wenn der Mann nicht zahlt. Auch unter türkischen Freunden spielt Geld eine geringe Rolle. Wenn man abends unterwegs ist, sagt oft ein Freund zum anderen, 'Dein Geld zählt hier nicht'."

Ihr Freund Erkan, ebenfalls Journalist, ergänzte: "Sollte allerdings eine türkische Frau, mit der du gerade ausgehst, so was zu dir sagen, dann sollten bei dir alle Alarmglocken klingeln."

"Gehst du gern ins Kino?", fragte Hatice Akyün weiter.

"Klar, ich weiß auch, welche Filme Frauen mögen: Godard, Rohmer, Bergman ..."

"Türken sind absolute Bollywoodfilm-Liebhaber", unterbrach sie mich. "Da steht nämlich wie in den türkischen Filmen immer die Familie im Mittelpunkt. Die Mutter ist immer dabei. Und dann der ganze Herzschmerz, das Tanzen und Singen, die Liebesschwüre und die Lieder, das ist wie in der Türkei. Diese Familienstorys findet man in Hollywood oder im deutschen Film nicht. So unterschiedlich die Kultur ist, die Türken fühlen sich Bollywood näher als Hollywood."

Ich rutschte schon unruhig auf meinem Stuhl hin und her. "Wie viel Türkisch kannst du eigentlich?"

"Ich kann 'Döner' sagen."

"Wenn du nicht zwei, drei Wörter kannst, hast du keine Chance", meinte sie. Dann schien sie Mitleid mit mir zu bekommen: "Merk dir diese: 'Selam' bedeutet 'Hallo', und ist lässig dazu. Wenn du eine Türkin nach dem Weg fragst, bedanke dich mit 'Teschekur'. Und sag nicht 'Tschüss', sondern 'Hadi tschüss'. Das bedeutet so was wie 'Okay, dann tschüss'", erklärte sie. "Ich höre diese Abschiedsformel immer öfter auch bei nichttürkischen Kids."

"Und lerne ruhig ein paar türkische Namen", warf ihr Freund ein. "Türkische Namen bedeuten etwas. Mein Vorname Erkan heißt 'Heldenhaftes Blut'. Wenn du weißt, was ihr Name bedeutet, macht das Eindruck."

"Würde es nicht reichen, einfach einen Porsche zu fahren?"

"Hast du einen Porsche?"

"Ich meinte das bildlich gesprochen."

"Du könntest dich ruhig anstrengen", mischte sich Hatice ein. "Sie strengt sich auch für dich an. Türkische Frauen machen sich vor dem ersten Date komplett von Kopf bis Fuß zurecht, lassen sich maniküren und pediküren. Und wenn sie gestern beim Friseur waren, gehen sie morgen nochmal hin. Türkische Frauen sind nicht wie die deutschen, die nur alle paar Wochen zum Friseur gehen - wir gehen alle paar Tage hin. Auch ohne Date."

"Aber was machen sie denn da die ganze Zeit, um Himmels willen?"

"Na, sie lassen sich die Haare waschen und föhnen. Der Friseur schafft das einfach besser. Wer eine schöne Frisur hat und sie zu Hause nicht so hinkriegt, geht zum Friseur, damit die Frisur aussieht wie frisch. Ich habe es schon erlebt, dass ich in einen deutschen Salon gegangen bin und um einmal Waschen und Föhnen gebeten habe, und sie haben mich nur blöd angeschaut."

Ich seufzte. "Und wenn ich all das tue - die Bedeutung ihres Namens herausfinde, kein Fahrrad fahre, tanzen lerne, all das - ist sie dann von mir beeindruckt?"

"Noch lange nicht", lachte sie. "Das sind erst mal die Grundvoraussetzungen. Wenn du sie wirklich beeindrucken willst, gibt es nur drei Worte: Komplimente, Komplimente, Komplimente.

Das wollen türkische Frauen hören und die Komplimente können gar nicht schmalzig genug sein. Der höchste Liebesschwur, den ein deutscher Mann einer Frau macht, ist: 'Ich will mit dir alt werden.' Reicht nicht, mein Lieber. Damit kann man einer türkischen Frau nicht kommen. Das ist eine Beleidigung. Überhaupt, das Wort 'alt' zu verwenden ist eine Beleidigung", redete sie sich in Fahrt. "Den deutschen Männern fehlt die Kreativität. 'Hast du dir wehgetan, als du vom Himmel gefallen bist?' Das ist ein Kompliment. Ich fragte mal einen türkischen Mann, wann wir uns wiedersehen, und er sagte: 'Sobald die Milch rahmt.' Das war ein Kompliment."

"Ich kenne nur H-Milch", sagte ich etwas eingeschüchtert.

Sie seufzte nur.

"Milch rahmt sehr schnell."

Als Hatice gegangen war, nahm mich ihr Freund "Heldenhaftes Blut" beiseite. Er hatte noch einen Tipp.

"Wenn man intim wird", klärte er mich auf, "ist es wichtig,

dass da keine Haare an den entsprechenden Stellen sind."

"Ja, ja", lachte ich. "Es soll deutsche Frauen geben, die sich noch immer nicht die Beine rasieren."

"Ja ...", meinte er zögerlich. "Ja, die Beine sind wichtig, zumindest in den ersten Wochen, aber danach ..."

"Na gut, die Achselhaare auch."

"Ja, ja, die Hauptstellen, sie sind wichtig in den ersten zwei, drei Wochen, aber was ich meine ... später dann, wenn es wirklich intim wird, den Rest ..."

"Was bleibt da übrig?", fragte ich.

"Na ja, der Rest halt."

"Du meinst ... türkische Frauen sind ... da unten ..."

"Nicht nur die Frauen", meinte er.

"Wie bitte?"

"Männer auch", sagte er. "Bei Männern ist das wie bei Frauen."

"Moment mal, du meinst ... all diese türkischen Kerle mit dem starken Bartwuchs und die Frauen mit ihren langen Haaren ... alles andere ist ... rasiert?"

"Vom Rasieren habe ich nichts gesagt", stellte er klar.

Da begriff ich, dass er seinen Namen nicht umsonst trug.

"Äh ... hör mal, ich hab mir das anders überlegt", sagte ich und griff nach meinem Fahrradhelm. "Ich weiß nicht, ob ich den türkischen Frauen gewachsen bin."


Antwort:

D) Komplimente, Komplimente, Komplimente.

Übrigens, für diejenigen, die es trotzdem wagen wollen: Hier ein paar der häufigsten weiblichen türkischen Vornamen in Deutschland:

Vorname & Bedeutung

Arzu = Verlangen
Aysche = Lebhaft (und der Name von Mohammeds dritter Ehefrau)?
Eda = Schönheit bzw. Koketterie
Fatma = Von der Hölle verschont
Gül = Rose
Ipek = Seide
Lale = Tulpe
Nilgün = Romantitel: Ein Tag am Nil
Özlem = Sehnsucht
Sevim = Liebevoll bzw. sympathisch
Yildiz = Stern



Frage 37:
Was bedeutet "Emden"?

A) Hemden, in französischer Betonung
 
B) "Ende der Welt" auf Friesisch
 
C) "Präzise, effektiv" auf Tamilisch
 
D) "Dummer Hund" auf Malaysisch
 

 
Während des Ersten Weltkriegs erschien eines Tages am Golf von Bengalen vor Madras ein deutsches Kriegsschiff namens "Emden". Wenige Tage später existierte Madras nur noch als Ruine.

Das war mal ein Schiff, das viel für seinen Ruf tat: Zwischen August und November 1914 hat die Emden 23 Handelsschiffe und diverse feindliche Kreuzer sowie Zerstörer, zum Teil viel größer als sie selbst, versenkt und wurde so zu einem der bekanntesten deutschen Kriegsschiffe überhaupt. Getarnt als britischer Kreuzer (mit falschem Schornstein) hatte die SMS Emden drei Monate lang spektakuläre Erfolge, bis sie schließlich selber nach dem Kapern einer Funkstation auf den Kokosinseln versenkt wurde.

Die Emden hatte die heutige tamilische Hauptstadt, damals ein wichtiger Stützpunkt der Briten mit vielen Öllagern, auf besonders methodische Art plattgemacht. Das hat die Überlebenden so sehr beeindruckt, dass sie das Wort "emden" in die tamilische Sprache aufnahmen - allerdings nicht mit der Bedeutung "Brutal", "Zerstörer" oder gar "Die-verdammten-Deutschen-kommen-Leute-rennt-um-euer-Leben", sondern halb bewundernd: "effektiv, präzise". Laut Thomas Maltens Tamil-Wörterbuch bedeutet Emden in Tamil ebenso "schlauer Fuchs" oder "gewiefter Bursche".



Frage 23:
Welche der folgenden 15 ganz normalen Aktivitäten führen zum Rausschmiss, wenn man sie auf der Zuschauertribüne des Bundestags praktiziert?

A) Eine NSDAP-Fahne schwenken

B) Eine US-Fahne schwenken

C) Eine Deutschlandfahne schwenken

D) CDU-Flugblätter verteilen

E) Mit dem Sitznachbarn Verfassungsrecht diskutieren

F) Einen Bikini tragen (und sonst nichts)

G) Fotos von Abgeordneten machen, wenn sie in der Nase popeln

H) Von der Tribüne in den Plenarsaal springen

I) Ein Schild hochhalten, auf dem steht: "Ich bin anderer Meinung und es ist mein demokratisches Recht, dies auf diese Weise kundzutun."

J) Besoffen sein

K) Sich wie ein riesiger Plüschhase verkleiden

L) Bundeskanzlerin Angela Merkel ein Geburtstagsständchen bringen

M) Seinen Papagei mitbringen

N) Beifall klatschen

O) Ein Eis essen
 

Antwort:

A bis O. Bei jeder dieser Handlungen wird man aus dem Bundestag rausgeschmissen.


Einige Bemerkungen zu "Deutschland-Quiz".

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