Meine Reise zum Mittelalter.

2001/2002 schmiss ich meinen Job, stieg in einen VW-Bus und reiste ein Jahr lang durch Deutschland und Österreich auf der Suche nach dem Mittelalter. Als ich wieder heim kam, schrieb ich darüber mein erstes Buch.
Das erste Kapitel.

Kapitel 1:
Mit dem Kopf durch die Wand der Wartburg

Mein Traum vom Mittelalter
und warum ich nicht nach Hause gehen werde,
ohne ihn mir zu erfüllen
 

Ich wuchs auf im sonnigen Hawaii, und damals gab es nichts, was ich so sexy fand wie das Mittelalter. Allenfalls meine Deutschlehrerin, aber die war nicht zu haben.

Ich lebte nur einen Block vom Strand entfernt. Während alle Welt draußen war, um knackig braun zu werden, zu surfen und sich in eigenen oder fremden Bikinis zu verheddern, verbrachte ich meine Tage im Halbschatten neben der Katze auf dem Bett und las: von verfallenen Burgen und vom Gesang der Mönche in alten Gemäuern, von zerlumpten Leibeigenen auf der Flucht vor grausamen Armeen, von verrückten Alchimisten, die versuchten, Blei zu Gold zu machen … und von Minnesängern, die mit ein, zwei simplen Worten hochnäsige Damen betörten.

Und die Ritter! Der weiße Ritter schlug sich mit dem schwarzen, der grüne Ritter kämpfte gegen den Drachen, der rote Ritter kam vom Weg ab und stolperte tief im Wald über das einsame Zelt einer geheimnisvollen Lady.

Ich wäre dem schon noch entwachsen, wenn meine große Schwester mich nicht mit ins Kino geschleppt hätte, damit wir uns das Musical Camelot ansehen. Ich weinte, als König Artus’ politische Utopie von “Recht über Macht” mit Ginovers ebenso schöner Utopie von Liebe kollidierte. Mit der Pubertät kam die nächste Chance, diese Kinderträume endlich hinter mir zu lassen, doch dann entdeckte ich die 8 dunkle Welt von Conan, dem Barbar. Obwohl ich nicht begriff, daß all seine pseudomittelalterlichen Abenteuer mit ihren unerklärlichen Sehnsüchten und Trieben schlicht um Sex kreisten, verstand ich durch Conan doch langsam, warum Drachen Jungfrauen bevorzugten. Und als mir wiederum etwas später mit leichtem Schreck dämmerte, daß ich eines Tages Mom und Dad zurücklassen müßte, um hinaus in die Welt zu ziehen, tauchte prompt Der Herr der Ringe auf. Der dampfte die ganze erschreckende Welt dort draußen runter auf ein Abenteuer, das selbst ein zaghafter, kleiner Mann mit Haaren auf den Füßen meistern konnte.

Ich ahnte bald, ich würde dem Mittelalter nie entkommen.

Ein Plan nahm Gestalt an. Ich würde nach Europa gehen. Ich würde die Straßen entlanglaufen, über die schon die Bauern gezogen waren, ich würde in den Klöstern träumen, in denen die Mönche meditiert hatten, ich würde die Burgmauern erklimmen, auf denen die Ritter einst blutrünstige Angreifer zurückgeschlagen hatten.

Ich stellte mir vor, einen einsamen Hügel zu entdecken und dort zwischen den Bäumen zu stehen und zu beobachten, wie der Nebel aufsteigt, während die Abenddämmerung einsetzt. Nach einer Weile würden die entfernten Verkehrsgeräusche allmählich verstummen, und die leisen Stimmen, die vom Tal heraufklingen, würden einen fremdartigen Tonfall annehmen, wie von einer lang vergessenen Sprache.

Wenn ich dann nur lange genug wartete, würde irgendwann ein Reiter zwischen den Bäumen auftauchen: Karl der Große hoch zu Roß. Während er näherkommt, würde er mich vielleicht bemerken und innehalten. Ich würde ihn anschauen, er würde mich anschauen, mein Herz würde rasen. Für einen Augenblick würde er sich fragen, aus welch unbedeutendem Teil seines riesigen Reiches ich wohl stammte. Dann würde er weiterreiten und wieder im Nebel verschwinden.


Als ich endlich nach Europa kam, war ich Missionar für die Mormonenkirche. Als Missionar entscheidest du nicht selbst, an welchen Ort du kommst, die Kirche macht das. Ich hoffte, die Kirche würde mich nach Deutschland schicken, immerhin hatte ich in der High School zwei Jahre im Deutschkurs herumgesessen, wenn auch nur, um meine Deutschlehrerin anzuschmachten. (Ich hätte auch drei Jahre dagesessen, aber sie heiratete und legte sich eine neue Frisur zu. Das heilte mich.)

Der Tag, an dem ich erfuhr, wohin sie mich schicken würden, war sonnig, warm, und Salz lag in der Luft, ein typi scher Tag für Hawaii. Ich kam gerade von der Schule nach Hause, griff einen Packen Post aus dem Briefkasten und streifte meine Flipflops vor der Haustür ab. Das Haus war leer. Mit sandigen Füßen lief ich durch alle Zimmer und riß Türen und Fenster auf, um ein wenig Luft hereinzulassen. Einer der Briefe war an mich adressiert. Er war aus Salt Lake City, Utah.

Die Zeit blieb stehen. Ich hörte mich selber atmen. Vom Wohnzimmertisch aus beäugte mich die Katze.

Das könnte der Moment sein, auf den ich gewartet hatte. Ich riß den Brief auf und übersprang das Blabla der ersten Absätze, bis ich zu dem entscheidenden Teil kam: “… Düsseldorf, Germany. “

Als ich 1981 in Frankfurt aus dem Flugzeug stieg, am Flughafen zum erstenmal grüngekleidete Polizisten sah und mit der Bahn durch das von Burgen übersäte Rheintal ratterte, tankte ich Fremdartigkeit und Erregung mit jedem Atemzug.

Die Kleidung war raffinierter, die Autos waren kleiner, und das Radio spielte englischsprachige Songs, die ich noch nie gehört hatte. Für die nächsten zwei Jahre fühlte ich mich wie Kolumbus in einer völlig neuen Welt.

Ich habe jeden einzigen Tag davon geliebt, egal, wie oft mir die Tür vor der Nase zugeschlagen wurde. In einer kleinen Stadt am Rhein namens Krefeld bekehrte, taufte und verliebte ich mich in ein deutsches Mädchen. Als meine Mission zu Ende war und ich wieder nach Hause mußte, plante ich bereits meine Wiederkehr.

Ich brauchte anderthalb Jahre, um auf Hawaii Geld zusammenzusparen, bis ich zurück nach Deutschland konnte, um sie zu heiraten. Nach einem Jahr in Krefeld zogen wir nach München. Dort studierte ich mittelalterliche Literatur und lernte Mittelhochdeutsch. Endlich las ich die Lieder der Minnesänger, die mittelalterlichen Versionen der Artus-Legende, die historischen Vorbilder der Conan-Geschichten.

An der Universität veränderte sich das Mittelalter für mich. Ich begann es für real zu halten. Diese Leute von damals waren zwar unsere Vorfahren – doch bei genauerer Betrachtung unterschieden sie sich so gründlich von uns, als wären sie von einem anderen Stern. Hatten sie ihre Kinder wirklich wie kleine Erwachsene behandelt? War romantische Liebe für sie wirklich nur ein Gesellschaftsspiel der Reichen? Waren Ideen wie Freiheit, Gerechtigkeit und Individualität – die schließlich aus der Antike stammen – damals wirklich gänzlich unbekannt? Das Mittelalter wurde für mich zu einem großen, köstlichen Rätsel, ebenso faszinierend wie unlösbar.

Doch zum Akademiker war ich nicht geschaffen. Tagein, tagaus saß ich in dieser verstaubten Münchner Bibliothek und träumte davon, all diese Orte zu besuchen, von denen ich las. Eines Tages, wenn ich das Geld dazu hätte und die Zeit, würde ich mich auf den Weg machen.

Nach dem Examen schlug ich nicht die akademische Laufbahn ein, sondern wurde Journalist. Ich trat aus der Kirche der Mormonen aus, ließ mich scheiden und verliebte mich erneut, zog nach Berlin und fand einen glamourösen Job bei einem Medienfachblatt aus Hollywood. Ich hatte was erreicht, und das Mittelalter war in weite Ferne gerückt.

Als ich vierzig wurde, wußte ich, es war langsam Zeit, nach Hause zu gehen, zu meiner Familie, meiner Heimat, meiner Sprache. Die Zeitung, für die ich arbeitete, bot mir einen Job als Redakteur in Los Angeles an. Das war perfekt.

Ich sagte ihnen, im September würde ich anfangen.

Dann erinnerte ich mich an meinen alten Traum, das Mittelalter zu finden.

Ein Teil von mir sagte: Du warst ein Kind damals, vergiß es einfach. Geh nach Los Angeles und mach Karriere. Der andere Teil sagte: Es war der wichtigste Traum deines Lebens.

Ich dachte mir einen Kompromiß aus. Ich würde mir eine Woche freinehmen und irgendeine Burg besuchen. Das würde ausreichen, um eine Art von Erinnerung zu finden, die ich mit nach Hause nehmen konnte. Ein kleines geistiges Souvenir, um meine Jugendträume zu besänftigen.


An einem regnerischen Märzmorgen in Berlin stopfte ich eine Sporttasche mit T-Shirts und Socken voll, quetschte mich hinter das Lenkrad eines billigen Mietautos und steuerte gen Süden.

Regen fiel auf die Autobahn, und der Himmel war genauso grau wie der Beton. Schwerfällig schleppten sich die LKWs aus Hamburg, Amsterdam und Warschau dahin, mit regenverwaschenen Konturen schwankten sie bedrohlich hin und her. Ich war bereits seit Stunden unterwegs, aber noch immer verschwanden der Beton und die Schornsteine nicht, als ob Berlins Großstadthäßlichkeit eine Art von Wundbrand sei, der sich bis in die Nachbarstädte erstreckt, ohne daß auch nur ein Bürgermeister aufspringt und schreit: “Ruft einen Arzt! Wir müssen amputieren!”

Endlich schwenkte ich westwärts, und der Himmel klarte auf. Die Baustellen wurden weniger, und der Verkehr beruhigte sich. Die Autobahn führte in ein breites Tal, das sich wie ein Gürtel quer durch halb Deutschland zieht. Ich fuhr rechts ran und stieg aus.

Die Straße schmiegte sich an einen eng mit Fichten bestandenen Hügel. Bewaldete Hänge verloren sich in der Ferne, und das Tal zu ihren Füßen schien sich unendlich weit zu erstrecken. Dies war also der uralte Thüringer Wald. Heute sind große Teile Äckern und Dörfern gewichen, aber der Wald zieht sich immer noch bis weit nach Westen. Man konnte es förmlich in ihm brodeln hören, wie in einem verborgenen Hexenkessel, in dem immer noch eine endlose Schar von Zwergen, Riesen, Rittern und Räubern zu Märchen und Legenden zusammengebraut werden.

Ich fuhr langsam weiter, vorbei an Jena, Weimar und Erfurt, historischen Städten voller Denkmäler zu Ehren längst verblichener Genies. Von Zeit zu Zeit tauchte ein Hügel auf mit einer Burgruine obendrauf. Dutzende solcher Hügel mit Burgen standen hier herum. Es war, als sei ich in eine Burgenversammlung geraten.

Ein paar Hügel weiter tauchte dann endlich in der Ferne die ungleichmäßige Silhouette zweier Türme auf. Noch eine Burg. Sie balancierte auf einem schmalen Grat und wirkte dabei schwer wie Eisen, sogar von hier aus. Sie war gebaut, um zu warnen: “Ich besitze diesen Berg. Mir gehört das Land, auf dem du stehst. Ich beobachte dich. Mach hier nicht den Klugscheißer!”

Das war die Wartburg. Um sie zu sehen, war ich fast 300 Kilometer weit gefahren.

Es gibt keine vergleichbare Burg in Deutschland, vielleicht in ganz Europa nicht. Während andere Burgen ihre Glanzzeiten hatten und dann bedeutungslos wurden, brachte es die Geschichte fertig, immer wieder zur Wartburg zurückzukehren: 1777 kam Goethe, der gerade die Romantik erfand, 1817 revoltierten die Studenten hier, nicht lange, aber um so folgenreicher, 1842 war Wagner auf der Suche nach einer passenden Location für Tannhäuser, und 1998 machte Clinton eine Stippvisite.

Noch früher, 1521, versteckte sich Luther hier unter einem falschen Namen und hinter einem dämlichen Bart und übersetzte das Neue Testament vom Griechischen ins Deutsche, womit er die Spielregeln des Christentums für immer veränderte. Historisch betrachtet war Luther die wichtigste Persönlichkeit auf der Wartburg, aber für mich war er nicht mittelalterlich genug. Ich war gekommen, um die Burg zu sehen, auf der der berühmte Sängerkrieg stattgefunden hatte.

Amerikaner denken beim Stichwort Mittelalter immer an England. Und das englische Mittelalter war ganz entzückend und anmutig. Zumindest in den Robin-Hood-Filmen, mit denen ich aufgewachsen bin: Jeder redete jeden höflich mit “Sire” oder “Milady” an und verbeugte sich ständig, während viele bunte Fahnen fröhlich von den Turmspitzen wehten; der König hatte stets Trompetenfanfaren im Ohr, egal, wohin er kam, und alle hatten verdammt gute Zahnärzte.

Schon als Junge dachte ich, so niedlich kann das nicht gewesen sein. Deswegen richtete ich schon in der High School mein Auge auf Deutschland, in der Mitte des Kontinents – hier hoffte ich, das echte Mittelalter zu finden.

Dazu gehört das deutsche Wort “Burg”. Das englische Wort “castle” war mir zu hübsch, zu zivilisiert. Das deutsche Wort “Burg” dagegen sagte etwas aus. Es sagte “Festung.” Es sagte “Mauer”, “Stein”, “Eisen” und “Eiche”. Das Wort “Burg” sagte: “Hier wohnt ein großer, übelriechender Kerl, den niemand leiden kann.” In so einer Burg suchte Luther Zuflucht – ein einsamer Mönch, verfolgt von einem Haufen mordlustiger Katholiken. Er schrieb nicht: “Ein hübsches Schlößchen ist mein Herr.” Nein, er schrieb: “Ein’ feste Burg ist unser Gott.” Er kannte den Unterschied genau.


Serpentinen winden sich den steilen Hang hinauf zu einem schattigen Parkplatz. Stufen führen das letzte Stück Weg hoch zu den Mauern der Wartburg. Aus der Nähe betrachtet war die Burg ein wahrer Stilmischmasch: Renaissance, Romantik, Neuromanik und einiges mehr. Es sah aus, als hätte Scotty versucht, jede Menge Türme, Scheunen und Fachwerkhäuser aus fünf Jahrhunderten hochzubeamen – und als sei ihm der ganze Schlamassel dann auf einen Hügel gefallen. Dieser Anblick hätte mich eigentlich warnen sollen, doch ich war zu aufgeregt: Endlich würde ich diese berühmte Zugbrücke überqueren.

Ich trat zwischen Wände, die so dicht beieinanderstanden, daß ich das Gefühl hatte, in einen Canyon geraten zu sein. Zwei Pferde würden hier kaum aneinander vorbeipassen, schon gar nicht, wenn sie für ein Turnier zurechtgemacht waren. Die Küchen, Wohnquartiere, Ställe, der Burgfried waren längst zu Bücherei, Büros, Café und Museum geworden – und alle waren sie direkt in die Außenmauer gebaut. Trotzdem schien der Platz nie gereicht zu haben, und die Burgherren hatten über die Zinnen hinaus gebaut und dort oben noch extra Fachwerkhäuschen angeklebt. Von wegen Prinzessinnen, die auf Burgmauern herumschmachten – dafür wäre hier gar kein Platz mehr gewesen.


Einer der wenigen Bereiche der Burg, die das Mittelalter intakt überstanden hatten, war der Palast oder Palas, wie sie ihn damals nannten.

Der Palas muß damals ein wichtiger Ort gewesen sein. Seine Fassade, dem Hof zugewandt, bestand aus drei Stockwerken voller verzierter Säulen, großer, luftiger Bögen und langer Arkaden, in denen die Hofdamen ihre edlen Gewänder spazierentragen konnten.

Die ersten Burgherren bauten diesen Palas im romanischen Stil, in Anlehnung an die grandiosen italienischen Paläste, die damals der letzte Schrei waren. Man hört geradezu die Frau Landgräfin, wie sie damit vor ihren Besuchern angibt: “Wir haben dem Architekten gesagt, mach es genau wie den Palast, in dem wir letztes Jahr in Rom abgestiegen sind. Ist Rom nicht einfach göttlich?”

Ich nahm an einer Führung teil und sah mir die Ritterquartiere an und die Kapelle, die ganzen behauenen Säulen, auf denen man Löwen sah, die gerade Männchen machten, Schimären, die Ritter verspeisten, und eifersüchtige Ritter, die um Mädchen kämpften. Wir gingen die mit Wandgemälden verzierten langen Gänge entlang und bestaunten das glitzernde goldene Gemach der heiligen Elisabeth, der Prinzessin Diana des Mittelalters. Der Bankettsaal erstreckte sich über das gesamte oberste Stockwerk: eine weitläufige Halle, groß genug für ein Rockkonzert und eines Königs würdig. Die Decke reckte sich himmelwärts, das Parkett schimmerte und glänzte. Man konnte förmlich sehen, wie die Herren der Wartburg hier Könige unterhielten, Recken zu Rittern schlugen, Kriege erklärten, Kapitulationen akzeptierten und Siege feierten. Bei einem Konzert in dieser Halle konnte es keine Mißtöne geben, eine hier geschlossene Ehe mußte für immer glücklich sein.

Dann endlich, der Raum, auf den ich gewartet hatte: der Sängersaal.

Er war gold, türkis und rot, wie der kissenübersäte Thronsaal eines Sultans von Bagdad aus Tausendund einer Nacht. Hier war es gewesen, wo die Poeten auftraten in der Nacht des Sängerkriegs, vor dieser leuchtend scharlachrot gemusterten Kulisse. Das kleine Zimmer muß an jenem Abend gestopft voll mit den feinen Herren und Damen der Gesellschaft gewesen sein. Bögen und elegante Säulen flankierten eine Bühne weiter hinten, wo der große Hermann von Thüringen gesessen und sein Urteil gesprochen hatte.

Der Sängerkrieg war so etwas wie die Oscar-Verleihung des Mittelalters.

Um 1200, zur Blütezeit des Rittertums, versammelten sich sechs Dichter und Sänger hier: Reinmar von Zweter war da, blind wie ein Bluessänger, der mysteriöse Biterolf, gleich zwei Heinrichs: der stolze Österreicher Heinrich von Ofterdingen und ein anderer Heinrich, der auf der Wartburg als Schreiber arbeitete.

Die Stars des Wettbewerbs waren zwei der bedeutendsten Minnesänger überhaupt: der revolutionäre Liebeslyriker Walther von der Vogelweide und ein visionärer Epiker namens Wolfram von Eschenbach.

Sie kamen, um gegeneinander anzutreten. Wer das beste Lied hatte, durfte sich anschließend “Bester Minnesänger” nennen. Um der Veranstaltung zusätzlichen Reiz zu verleihen, hatte Hermann von Thüringen noch einen weiteren Titel ausgelobt: “Schlechtester Minnesänger”. Der Preis für den schlechtesten Minnesänger war sofortiges Köpfen. Ein Henker würde während der ganzen Veranstaltung bereitstehen.

Man darf sich die Dichter und Sänger des Mittelalters wohlgemerkt nicht wie zartbesaitete Poeten in irgendeiner Dachstube vorstellen, die verzweifelt nach dem passenden Wort suchen. Sie müssen vielmehr wie die Tagelöhner während der amerikanischen Wirtschaftskrise gewesen sein, die in Güterwagen von Ort zu Ort gezogen sind, Aushilfsjobs auf Bauernhöfen hinterherjagten und Hühner stahlen. In guten Zeiten fanden sie irgendwo einen Burgherrn, der ihnen Unterkunft und Verpflegung anbot, solange sie ihm irgendeinen französischen Roman übersetzten, der gerade en vogue war. Die übrige Zeit, denke ich, waren sie unterwegs auf Straßen und Marktplätzen, jonglierten für ein paar Pennies, fiedelten bei Dorftänzen oder traten in schlüpfrigen Theaterstücken als lüsterne Ritter und unlautere Mönche auf.

Und was ihre soziale Schicht anging – niedriger ging es kaum.

Heutzutage kann man einen Schriftsteller in einen Raum mit lauter Vier-Sterne-Generälen setzen – Kommandeure großer Armeen, Herren über Leben und Tod –, und bevor er wieder geht, wird ihm einer von ihnen zugeflüstert haben: “Eines Tages schreibe ich auch ein Buch.” Im Mittelalter dagegen konnte man den geringsten Ritter nehmen, egal wie arm, ungebildet, gemein und ungewaschen, und konnte ihn zwischen lauter geniale Poeten stellen, Verfasser unsterblicher Werke, und jeder dieser Poeten hätte ihm flüsternd versichert: “Ich kann auch Turniere reiten, weißt du?“

Wie eigenartig also, daß der Sängerkrieg von einem der mächtigsten und vermögendsten Herren des Reiches veranstaltet wurde.

Der Landgraf von Thüringen hatte Besitztümer in ganz Deutschland: Er nannte Hunderte von Burgen, Städten, Wäldern und Ackerland zwischen dem Rhein und der slawischen Grenze sein eigen. Hermann I. war ein Landgraf, aber im Grunde war er mächtiger als ein Herzog. Der Rang seiner Person in der sozialen Hierarchie des Mittelalters befand sich direkt unter dem des Kaisers. Er speiste mit Königen und feilschte mit Bischöfen. Er ritt leichtfertig in den Kampf, so wie ein guter Feudalherr das tun sollte, und seine Rechtsprechung war genauso grausam und willkürlich wie seine Rachefeldzüge. In seinem Leben ging es vor allem um Macht, Besitz und Plünderung.

In jener Nacht hätte ich ihn gern gesehen. Wie er die Menge in ihren funkelnden Gewändern zum Schweigen auffordert, als die Dichter die Bühne betreten. Wie er einen Moment lang seine Kriegspläne, Landsorgen und Intrigen bei Hofe vergißt. Wie er Wolfram beiseite nimmt und verstohlen in sein Ohr flüstert: „Du mußt wissen, auch ich schreibe Gedichte …”


Jetzt hatte ich den Ort gesehen, an dem alles vonstatten gegangen war, und hätte in Frieden nach Hause gehen können. Wenn der Burgführer seinen verdammten Mund gehalten hätte. “All dies hat mit dem Mittelalter natürlich nichts zu tun”, sagte er.

Alles – die hohe Decke des Bankettsaals, praktisch jeder Zentimeter des Sängersaals, nicht zu vergessen die kitschigen Märchenfresken, die den Palas in einen pastellfarbenen Comic verwandelten –, all dies war erst 150 Jahre alt. Damals wurde das Mittelalter von den Dichtern, Malern und Träumern der Romantik gerade wiederentdeckt – bis dahin war es praktisch vergessen gewesen. Sie erblickten etwas Ehrenwertes und Wahrhaftiges in dieser lang vergessenen Epoche. Sie erschufen den Mythos vom Rittertum für sich neu und überschwemmten die Wartburg in Scharen, um sie in eine Art Disneyland der Romantik zu verwandeln.

War irgendetwas an diesem Ort echt?

Benommen lief ich hinaus in die Sonne und klopfte an die Tür des Burgarchivs, wo ich eine schüchterne Archivarin zu einem Ausflug ins Burgcafé überredete.

Sie war kaum in der Lage, mir ins Gesicht zu sehen, und schien über ihren Aufenthalt in der Sonne besorgt zu sein. Ich glaube, ich war der erste Nichtbibliothekar, mit dem sie sprach, seitdem sie die Archive 25 Jahre zuvor betreten hatte. Aber einmal brachte ich sie zum Lächeln. Ich fragte sie, was sie an ihrer Arbeit auf der Burg am meisten liebe. “Manchmal, zu besonderen Gelegenheiten”, sagte sie, “halten wir hier Feste ab, und der Hof ist nachts beleuchtet und voller Stimmen, Musik in allen Ecken, und man darf auf den großen Turm steigen – das geht sonst nicht. Das kann man nur einmal im Jahr machen. Das Land ringsum ist dunkel, und an manchen Nächten gibt es ein Feuerwerk. Da oben steht man ganz allein – das ist wie Fliegen. Das ist die beste Erinnerung, die man haben kann.”

Es war alles Fälschung. Nicht nur die Wartburg von heute war eine Fälschung, sie war es immer gewesen, sogar im Mittelalter.

Der Palas, mit all seinen großartigen romanischen Arkaden, sagte sie, war im Winter nicht zu beheizen. Der Bau war für Italien erdacht, nicht für Deutschland mit seinem eiskalten, endlosen Winter. Wer damals im Bankettsaal Hochzeit feierte, verbrachte die Flitterwochen mit einer Erkältung, wer als Minnesänger dort die Laute schlug, dem froren alle Finger ab, denn hier war kein Fenster verglast.

Militärisch betrachtet war die Burg auf dem Bergkamm gut postiert, sie hatte bloß keine Wasserversorgung. Außer einer gigantischen Zisterne, die Regenwasser sammelte – aber auch jede Menge Moos und Krabbelviecher. Im Fall einer Belagerung hätte kein Ritter hier lange durchgehalten.

Aber das Wichtigste war, es gab keinen Hinweis darauf, daß irgendein mittelalterlicher Regent jemals auch nur einen ganzen Tag hier oben gewesen war.

Ein so mächtiger Herrscher wie der Thüringer Landgraf verbrachte kaum einen Tag, ohne das eine oder andere offizielle Dokument zu unterzeichnen. Jede Unterschrift enthielt wie heute Datum und Ort des Vorgangs. Falls man ein großes Fest oder ein anderes Ereignis zur Unterhaltung seiner adeligen Kumpane plante – zum Beispiel einen “Sängerkrieg” –, dann mußte man doch mindestens ein paar Tage auf dieser Burg verbringen. Lange genug, um wenigstens einen Erlaß zu unterschreiben.

Doch die Thüringer Landgrafen haben nicht ein einziges Dokument auf der Wartburg unterzeichnet.

Es widerstrebte der Bibliothekarin, schlecht über den Ort zu reden, den sie liebte, und so ergänzte sie, daß hier vielleicht Dinge vorgegangen seien, über die die Geschichtswissenschaft nichts wüßte: “Es ist unwahrscheinlich, daß sie es sich so viel Geld kosten ließen, das Gebäude zu errichten, und dann niemals zu Besuch kamen”, meinte sie.

“Was ist mit dem Sängerkrieg?” fragte ich.

Der Wettstreit habe überhaupt nicht stattgefunden, sagte sie. “Wenn man die Geschichte liest, wie sie im 13. Jahrhundert niedergeschrieben wurde, kann man sie schwerlich glauben.” Wir wüßten ohnehin nur deswegen von dem Sängerkrieg, weil ein anderer Sänger und Dichter ihn in einem literarischen Traktat beschrieben hat. Sie erzählte mir davon: Die sechs Sänger versammeln sich für ihren Auftritt. Der Henker ist bekanntlich auch anwesend. Man sollte glauben, die Poeten präsentieren ihre besten Stücke, die Werke, die wir auch kennen, aber statt dessen besingen sie alle in den höchsten Tönen die Großartigkeit Hermanns, des Land grafen von Thüringen. Alle mit Ausnahme des Österreichers Heinrich von Ofterdingen. Er besingt die Großartigkeit des Herzogs von Österreich.

Walther wird zum “Besten Minnesänger” erklärt. Und wer hat wohl verloren?

Der Henker packt Heinrich von Ofterdingen am Kragen, und das Schwert ist schon knapp vor dem Niedersausen, als Hermanns Frau sich für den armen Kerl einsetzt. Sie überredet ihren Mann dazu, einen neutralen Richter der Poeten zu finden – zum Beispiel den großen ungarischen Dichter Klingsor.

Hermann stimmt zu. Er gewährt Heinrich ein Jahr, um nach Ungarn zu reisen und Klingsor zur Wartburg zu bringen. Der Sängerkrieg würde dann wiederholt werden, mit Klingsor als Richter.

Ab diesem Punkt wird die Geschichte zum Fantasy- Abenteuer. Heinrich eilt davon, doch die Zeit arbeitet gegen ihn, und er verliert. Als er den schwerfaßbaren Ungarn endlich aufspürt, ist das Jahr schon um, und es ist zu spät, um rechtzeitig auf die Wartburg zurückzukehren. Heinrich ist ein toter Mann.

Aber Klingsor ist nicht bloß Poet, er ist auch ein großer Zauberer und überhaupt ein eher furchterregender Typ. Mit Hilfe magischer Kräfte transportiert er sie beide zur Wartburg, gerade rechtzeitig zur Wiederholung des Sängerkriegs.

Jetzt ist ein böser Zauberer im Haus, und der “Krieg” dreht sich nicht länger um die Dichtkunst. Jetzt geht’s ums nackte Überleben. Es läuft auf ein magisches Duell zwischen Wolfram und dem Zauberer hinaus. Klingsor fordert ihn zu einer Rätselschlacht heraus, und Wolfram, das Genie, löst jedes einzelne Rätsel. Aus Ärger und Enttäuschung beschwört Klingsor den Teufel, der Wolfram holen soll, doch Wolfram besiegt ihn, indem er das Kreuzzeichen schlägt. Happy-End.

“Offensichtlich”, bemerkte die Archivarin, “eine Phantasie.”

Wahr daran sind einzig die Namen der Minnesänger, von denen die meisten historische Persönlichkeiten waren. Walther und Wolfram waren wirklich Genies und Hermann ein großer Förderer der Kunst.

Heinrich von Ofterdingen hat nie existiert, und Klingsor, der Zauberer, entsprang direkt den Seiten eines anderen Romans – ironischerweise von Wolfram geschrieben. In einem einzigartigen Fall mittelalterlicher Postmoderne tritt im “Sängerkrieg” eine Figur gegen ihren eigenen Schöpfer an.

“Was ist mit dem Krieg selbst?” fragte ich. “Gab es vielleicht mal eine Art Wettkampf zwischen den Minnesängern, der den Dichter zu der Geschichte inspiriert hat?”

Sie zuckte die Achseln. “Historiker halten es bloß für eine Legende.”


Meine Reise auf der Suche nach dem Mittelalter hatte mich in eine Touristenfalle des 19. Jahrhunderts geführt, so authentisch wie Waikiki.

Ich checkte im Berghotel ein, einem weitläufigen Herrenhaus, das auf der anderen Seite des Tals majestätisch auf einem Hügel thronte. Ich quetschte einen Nachlaß aus dem Hotelmanager heraus, indem ich ihm erzählte, ich schriebe etwas über die Wartburg.

“Ich weiß, wie man mit Journalisten umgehen muß”, sagte er, und er wußte es tatsächlich. Er steckte mich in ein Zimmer mit Aussicht auf das Tal – direkt gegenüber der Wartburg.

Ich bestellte einen Whisky von der Bar, schaltete das Licht aus, saß am Fenster und betrachtete die großartigste Burg der Welt, die nur ein, zwei Kilometer entfernt lag. Der Gipfel, auf dem sie stand, verschwand im schwarzen Nachthimmel, aber die Burg selbst war in gelbes Flutlicht getaucht. Sie sah aus wie eine goldene Krone, die im Nirgendwo schwebt.

Als ich am nächsten Morgen erwachte, lag das ganze Tal im Nebel, und die Burg war nur ein dunkler Fleck am grauen Himmel.

Ich hatte das Hotelzimmer noch eine Woche. Ich ging runter ins Tal nach Eisenach und schaute mich nach einem Grund zu bleiben um. In diesem Städtchen war Luther zur Schule gegangen, und Bach war hier geboren.

Die alten Häuser waren eher barock als mittelalterlich und alle gelb wie Käsekuchen. Pflastersteinstraßen kurvten und schlängelten sich durch die Stadt und erweiterten sich gelegentlich zu einem dreieckigen kleinen Platz. Autos ratterten an der schwärzlichen Fassade einer romanischen Kirche vorbei und durch einen mittelalterlichen Torbogen, der aussah, als würde er gleich einstürzen.

Festgeschnallt an ihre sperrigen, quadratischen Scout- Schulranzen, gingen die Kinder zur Schule. Mütter schoben Kinderwagen zur Bäckerei. Zeitungslieferwagen quetschten sich hupend durch die engen Gassen. Ein Bratwurstverkäufer beäugte mich mit grimmigem Gesicht auf meinem Weg um den Karlsplatz.

Ich erreichte die Fußgängerzone im Zentrum. Viele Deutsche meinen, Einkaufszentren seien eine typisch amerikanische Erfindung, aber sie haben selber ein Open-air-Einkaufszentrum im Herzen jeder deutschen Stadt. Sie drehen bloß nicht so viele Filme darin. Ich ging an all diesen Läden vorbei, die in jeder deutschen Fußgängerzone vorkommen: unmoderne Modegeschäfte, Discount-Buchhändler, Kaufhäuser mit Stereokompaktanlagen im Schaufenster und Fastfoodläden, die amerikanische Hamburger, deutsche Würstchen und türkischen Kebab verkaufen. Ich setzte mich vor die Kirche, in der Luther und Bach als Kinder gesungen hatten, und beobachtete die Arbeitslosen an der Ecke beim Biertrinken und die Scharen von Girlies, die von Laden zu Laden trieben und mit ihren langen Plastikfingernägeln Pommes naschten.

Vor achtzehn Jahren waren für mich selbst die Fußgängerzonen neu und aufregend gewesen. Heute waren sie nichts als Einkaufszentren. Ich war gekommen, um das Mittelalter zu entdecken, aber jetzt fragte ich mich, ob Eisenachs Fußgängerzone das bleibende Bild von Deutschland sein würde, das ich mit nach Hause nehmen würde. Ich fühlte mich, als ob ich eine alte Jugendliebe angerufen hätte, die seit achtzehn Jahren auf meinen Anruf wartet, aber jetzt, wo ich endlich die Nerven dazu hatte, war sie nicht mehr zu haben.


Nicht weit davon, in einer schattigen gepflasterten Straße namens Predigerberg, stand das, was von einem mittelalterlichen Dominikanerkloster übrig war, heute das Martin- Luther-Gymnasium. Ich war mit dem Schuldirektor verabredet, und als ich klingelte, öffnete mir ein wohlgenährter Herr in Anzug und Krawatte namens Schmidt.

Er nahm mich mit auf einen kleinen Rundgang durch die weißgetünchten Korridore. Der Boden unter meinen Füßen schien für die Ewigkeit gemacht. Die kühlen Wände um gaben mich wie eine angenehme Erfrischung. In diesem ehemaligen Kloster, in dem einst die Dominikaner wandelten und meditierten, flirteten und tuschelten jetzt die Teenager und kickten sich einen Fußball zu. Die dicken Wände verschluckten jedes Geräusch. Keine Graffiti, nirgends.

Das macht die klösterliche Ruhe hier, sagte Schmidt.

Während diese Kinder aufwuchsen, war das Mittelalter stets um sie herum. Es war in den Wänden ihrer Schule, in den Straßen, auf dem Hügel und im Tal unten. Wenn ich hier aufgewachsen wäre, hätte ich die Geschichte gespürt, sie wäre ein Teil von mir geworden, so wie Baseball Teil eines jeden Amerikaners wird. Ich fragte Schmidt, ob irgendwelche seiner Schüler Mittelalterfans seien.

“Nö”, sagte er und fragte: “Sagen Sie, vermissen Sie eigentlich Hawaii? Die Sonne und den Strand?”

“Nö”, sagte ich.

Als ich aufbrechen wollte, empfahl Schmidt mir, eine Burg in der Nähe zu besuchen, die Creuzburg. Er war in der kleinen Stadt am Fuße der Burg aufgewachsen. Dann schwieg er, als eine ferne, bittere Erinnerung wieder auftauchte. Unvermittelt erzählte er mir die Geschichte von dem allerersten Eindruck, den die Amerikaner auf ihn gemacht hatten.

Es war in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs. Er war sechs Jahre alt. Von Westen kamen die Amerikaner, von Osten kamen die Russen, und in Thüringen trafen sie aufeinander. Sie hatten das, was von der Wehrmacht noch übrig war, zwischen sich in die Zange genommen.

Um Creuzburg zu betreten, muß man über eine Brücke. Als die ersten amerikanischen Panzer darauf zurollten, waren die Leute in der Stadt dankbar, daß endlich alles vorbei war – bis auf eine fanatische Nazi-Frau.

“Ich will sie überhaupt nicht in Schutz nehmen, aber für sie ist eine Welt zusammengebrochen”, sagte Schmidt. “Vielleicht war es eine Zornreaktion. Die Hitler-Ideologie hatte die Leute aufgeheizt, nahezu bis zum Wahnsinn.”

Die Wehrmacht hatte sich bereits zurückgezogen. Es gab niemanden in der Stadt, der fähig oder auch nur willens war zu kämpfen, bis auf diese Frau. Sie griff sich eine zurückgelassene Panzerfaust, robbte auf die andere Seite der Brücke und ballerte los, bis der anrückende Panzer in die Luft ging.

“Es war verrückt”, sagte Schmidt. “Aber die Amerikaner haben daraufhin in Creuzburg mehr Widerstand vermutet, als wirklich da war.”

Die Amerikaner zogen sich auf einen nahe gelegenen Hügel zurück und bombardierten die Stadt.

“Immer wenn es schoß”, sagte Schmidt, “haben wir uns flach auf den Boden gelegt und den Mund geöffnet, wegen des Trommelfells. Die Stadt war voller Gestank und Geschrei … wir haben dann als letzte unsere Sachen genommen und sind in den Wald und haben drei Tage und drei Nächte da gelegen, bis der Rauch sich verzogen hatte.

“Endlich band ein alter Mann, ein Veteran aus dem Ersten Weltkrieg, ein Bettlaken an einen Stock und ergab sich den Amerikanern. Der Bürgermeister, dessen Aufgabe das eigentlich gewesen wäre, war schon längst geflohen.

Als Schmidt fertig mit Erzählen war, verstummte er, überwältigt von der Erinnerung. Er war kurz davor zu weinen. Vor einem Fremden, einem Amerikaner, einer von den Leuten, die zum ersten Mal Zerstörung über seinen Heimatort gebracht hatten.

Dann biß er die Zähne zusammen und atmete scharf ein. Der Bann war gebrochen.


Abends fragte ich einen Taxifahrer nach einem Restaurant mit echten Thüringer Spezialitäten. Aber als ich dann dort war, sah ich die Schilder im Fenster: “Thüringer Spezialitäten”, versprachen sie, aber auch “Bayerische Spezialitäten” und “Italienische Spezialitäten”. Ich bin doch kein doofer Tourist, dachte ich und lief weiter.

Am Rande des Karlsplatzes lief ich unversehens auf eine Eckkneipe zu. Die Tür schloß nicht richtig, und die Möbel waren mit falscher Eiche furniert, die Häkeldeckchen waren eingestaubt und die Blumen aus Plastik. Hirschgeweihe hingen an den Wänden und sahen auch wie Plastik aus. Es war trübsinnig und bedrohlich zugleich, eine Kneipe wie in diesen Filmen, in denen höchstens drei Typen an der Bar stehen, und wenn du reinkommst, starren sie dich an wie einen Eindringling.

Ich liebte es. Auf eine perverse Art, das gebe ich zu. Es war genau die Art Lokal, die den Deutschen peinlich ist. Sowas findet man nicht in den Städteführern. So ist Deutschland, wenn die Deutschen glauben, sie seien unter sich.

Ich fragte nach einer regionalen Spezialität, und die Frau des Besitzers brachte mir einen Teller Schweinefleisch, Knödel und Rotkraut, eingeweicht in einer pappigen dunklen Soße. Sie bemerkte meinen Akzent und erzählte mir, daß sie zehn Jahre in Amerika gelebt habe, in Chicago, um in der Nähe ihrer Tochter zu sein, die einen Amerikaner geheiratet hatte. Ich erzählte ihr, wie lange ich jetzt schon in Deutschland war.

“Es gefällt Ihnen wohl hier.”

“Ich gehe bald zurück. Für immer.”

“Warum zurückgehen? Wenn es Ihnen hier doch gefällt?”

“Ich fühle, wie ich meine Sprache verliere”, sagte ich. “Ich möchte irgendwo sein, wo man Englisch spricht.”

“Wenn Sie Ihre Sprache verlieren”, sagte sie, “ist es Zeit, zurückzukehren.”

Ich war froh, daß sich jemand mal so klar zu dem Thema äußerte.

Es beschäftigte mich, daß ich an Schmidts Gymnasium keine Kinder gefunden hatte, die Mittelalterfans waren. Es mußte doch mit dem Teufel zugehen, wenn es hier nicht wenigstens einen Teenager gäbe, der von Rittern und Prinzessinnen schwärmte. Ich wollte einen Blick auf mich selbst erhaschen, als ich in diesem Alter war. Also rief ich alle Geschichtslehrer in Eisenach an, und endlich sagte mir einer, ich solle in seine Geschichtsstunde ins Elisabeth-Gymnasium kommen.

Er musterte mich argwöhnisch von oben bis unten, beschloß dann, mich wirklich für den Journalisten zu halten, als den ich mich ausgab, und ließ mich einen Nachmittag lang zwei seiner Schüler, Philipp und Bertram, entführen.

Sie stellten sich mir als Historiker vor, als ob der Begriff „Schüler” schon eine Nummer zu klein für sie sei, und informierten mich darüber, daß Napoleon bei seinem Rückzug aus Rußland heiße Schokolade in Eisenach getrunken hatte.

Wir setzten uns ins Café Toccata, und Bertram bestellte sich einen großen Eisbecher. Im Hintergrund lief ein Tom-Jones-Comeback-Hit.

Philipp, seinem Freund ein paar Monate im Pubertätstheater voraus, legte die Füße hoch, zündete eine Zigarette an und bestellte Tee, wie das ein guter Intellektueller tun sollte. Man merkte, er hatte geübt, und die Gelegenheit für eine Generalprobe war günstig. Zwei Dinge allerdings verrieten ihn: der zarte Flaum auf seiner Oberlippe und der Treffpunkt seiner Wahl. Café Toccata war eine pinkfarbene Eisdiele voller Kinder und Mütter mit Buggys.

“Damals gab es keine Maschinengewehre …”, sagte Philipp. “Es war Mann gegen Mann.”

“Da hat wirklich noch die Fähigkeit gezählt”, ergänzte Bertram, “heutzutage ist das ja nicht mehr so, mit den Atombomben.”

“Was mich faszinieren würde”, sagte Philipp mit einem perfekten Pokerface, “wäre, ein Kreuzritter zu sein.”

“Sonst könntest du auch Mönch werden”, meinte Bertram, “die haben auch nur gelesen und geschrieben und so was.”

“Na ja”, sagte Philipp, “als Mönch saß man in seiner Abtei und macht, was man immer gemacht hat – aber als Kreuzritter mußte man sich immer wieder auf neue Situationen einstellen können. Ich bin eher ein spontaner Mensch. Aktion und Reaktion. Menschen, die in Sekundenschnelle handeln müssen. Dieses Aus-eigenem- Kopf-Entscheiden. Das ist es, was mich fasziniert am Mittelalter.“

Ich sah zwei deutsche Ausgaben meiner selbst, träumend von einer Zeit, in der sie vielleicht keine Bücherwürmer gewesen wären, sondern Männer der Tat, Machos mit eigenen Regeln. Ich wollte sie kräftig schütteln und brüllen: “Weniger lesen! Mehr Mädchen hinterherlaufen! Es wird euch noch leid tun! Ich weiß, wovon ich rede!” Ich fragte sie nach Mädchen, und ihre Augen leuchteten auf.

“Ich sag’s mal so”, sagte Bertram. “Liebe ist die menschlichste Sache, die es gibt und etwas, was jeder Mensch mal erlebt haben muß.”

“Es gibt viele Arten von Liebe, und diese Liebe hat teilweise Nutzen, beispielsweise den Fortbestand der Art”, sagte Philipp. “Liebe ist was ganz Interessantes. Napoleon sagt, Liebe hat viele Gesichter.”

Ich bearbeitete sie ein bißchen länger, und endlich gaben sie zu, daß sie in dieser Hinsicht noch nicht sehr erfolgreich gewesen waren. Das Licht von Philipps Herzen hatte ihm gerade erst ein definitives “Daumen runter” gegeben, und er versuchte immer noch, darüber hinwegzukommen.

“Man kann das nicht erzwingen …”, sagte Philipp und paffte ohne Pause. “Ich habe mich mittlerweile damit abgefunden, aber es ist ein halbes Jahr später noch schwierig, wenn man ihr gegenübersteht, und man weiß genau: Ich habe es nicht vergessen.”

Bertrams Objekt der Begierde verschwand für ein Jahr nach Amerika, bevor er ihr seine Gefühle offenbaren konnte. Er wartet auf ihre Wiederkehr. “Das ist ziemlich intim, da sprechen wir Historiker nicht so drüber …”

Dennoch gab er zu: “… daß Liebe zu jedem Leben dazugehört und für mich eigentlich sehr wichtig ist. Ich denke, für eine Freundin würde ich auch mal ein Buch zur Seite legen.”


Die Woche war vorbei, aber ich hatte Philipps und Bertrams Geschichtslehrer versprochen, noch mal vorbeizuschauen, bevor ich ging. Er wollte mir etwas zeigen.

Ich fuhr fast eine Stunde durch die Felder rings um Eisenach, bis ich einen kleinen Ort namens Mihla fand, der nicht auf meiner Karte verzeichnet war. Die Adresse, die er mir gegeben hatte, entpuppte sich als U-förmiges Gebäude mit einer Scheune an der Seite und einem Traktor im Hof. Ich klingelte an dem Schild, auf dem “Rathaus” stand.

Ein untersetzter Mann mittleren Alters öffnete die Tür. Sein Name war Rainer Lämmerhirt. Tagsüber war er Philipps und Bertrams Lehrer, aber in seiner Freizeit war er der Bürgermeister von Mihla.

Wir stiegen in sein Auto, und er fuhr mich weit raus aus Mihla, durch akkurat bestellte Felder mit jungem grünen Weizen, an der Werra entlang, an einer Weide vorbei, auf der tatsächlich Yaks grasten, und durch ein paar Flecken vom Hainecker Wald.

Er erzählte mir die Geschichte, wie er gerade an seiner Doktorarbeit saß – Thema Mittelalter –, als die Mauer fiel. Die DDR-Geschichtsausbildung war systembelastet – aber noch mehr war das sein Professor.

Nach der Wiedervereinigung, noch bevor Lämmerhirt mit seiner Doktorarbeit fertig war, wurde seinem Doktorvater nahegelegt, in Frührente zu gehen. Der praktische Effekt für Lämmerhirt war, daß seine Doktorarbeit nichts mehr wert war. Er hatte die Wahl, mit einem neuen Doktorvater noch einmal von vorn zu beginnen – oder das Ganze zu vergessen. Er hatte bereits begonnen, am Gymnasium zu unterrichten, um seine Familie zu ernähren, und so sagte er dem Doktortitel endgültig Adieu.

Er machte keine große Sache daraus, aber ich konnte mir sein Mißvergnügen vorstellen, seine Karriere als Historiker an eins der meistglorifizierten geschichtlichen Ereignisse der letzten fünfzig Jahre zu verlieren.

Wir folgten dem Weg unter hohen Fichten entlang und einen Hügel hinauf. Dort oben, verborgen zwischen schattigen Bäumen, stand eine Burgruine. “Meine Burg “, sagte er stolz.

Im Vergleich zu anderen Burgen war die Haineck klein. Selbst im Vergleich zu gewöhnlichen Häusern war sie klein. Sie war aus grauen, unbehauenen Steinen erbaut und hatte die Form einer aufrecht stehenden Schuhschachtel. Es war ein einziger großer Raum mit einem Dach darauf gewesen, nur das Dach war schon lange verschwunden. Ein Schwall Efeu war eine der Wände hinaufgeklettert, hatte sich in den Mörtel gefressen und ihn geschwächt. Teile der anderen Wände waren bereits zusammengebrochen.

Dies war die Art Burg, die man vor Augen hat, wenn man an das Mittelalter denkt – verfallen, geheimnisvoll, trutzig, schlicht. Alles, was man brauchte, um sie zu verteidigen, waren fünf oder sechs ordentliche Ritter. Ein ausgetrockneter Burggraben verlief um sie herum, und die Wand, die für Angreifer am zugänglichsten war, war gewölbt wie ein Kessel, um Katapultattacken besser zu trotzen.

Sie war im späten 13. Jahrhundert gebaut worden, um Straßenzölle zu erheben und die Nachbarfürsten in ihre Schranken zu weisen. Sie hatte Thüringer Vögten, Kreuzrittern, Raubrittern, Ketzer- und Hexenjägern Heimstatt geboten. Im 15. Jahrhundert brauchte sie allmählich niemand mehr.

Als Lämmerhirt noch klein war, nahm ihn sein Vater sonntags immer mit zur Haineck. Damals war sie noch eine echte Ruine, schwer zu erreichen, versteckt im Unterholz, mit Moos und Efeu überwuchert und voller Geröll. Das heizte seine Jungensphantasien mächtig an. Er hörte alle möglichen Legenden über die Burg, in der es von Zwergen, Elfen, Raubrittern und den Gespenstern unglücklich Liebender nur so wimmeln sollte.

Seine Lieblingslegende war die vom furchtlosen Räuber Florian Henning. Im Hauptturm der Burg gibt es ein großes Loch. Die Leute sagen, es stammt von Henning, der hier gefangen saß. In der Nacht, bevor er hingerichtet werden sollte, brach er das Loch in die Wand und floh im Morgengrauen. Auf dem Weg in die Freiheit begegnete er ein paar Bauern, die gerade auf dem Weg zur Burg waren, um seiner Hinrichtung beizuwohnen, und gab ihnen den guten Rat: “Laßt euch ruhig Zeit, ihr werdet schon rechtzeitig kommen. Ohne mich kann es nicht losgehen, und ich habe noch einen weiten Weg vor mir!“

Ich fragte Lämmerhirt, ob er sich als kleiner Junge manchmal vorgestellt habe, wie ein Ritter zwischen den Bäumen auf ihn zukommt, wenn er nur lange genug bei der Ruine stehenbleiben würde. Er schmunzelte und sagte: “So was in der Art.“

Zur Zeit der Wende begann Lämmerhirt, sich mit der Haineck näher zu befassen. Er entdeckte eine Menge über ihre Geschichte und entmystifizierte die Legenden (das Loch im Turm wurde nicht von einem Räuber verursacht, sondern von einem umstürzenden Baum). Lämmerhirt gründete ein Restaurierungskomitee. Sie räumten das Geröll aus der Ruine, restaurierten und überdachten den Hauptturm und rissen den mörtelfressenden Efeu von allen Wänden bis auf eine – der Atmosphäre wegen.

“Ich habe mir damit einen Kindheitstraum erfüllt”, sagte er. “Es war der Traum, den eigenen Kindern mehr erzählen zu können. Sich dieser Aufgabe gestellt zu haben. Und in der Lage zu sein, etwas für die Öffentlichkeit zu tun.”

Obwohl man die restaurierte Burg Haineck nicht gerade eine Touristenfalle nennen kann – zu der abgelegenen Ruine führen keine Hinweisschilder, es gibt kein Personal und keine Öffnungszeiten –, gab Lämmerhirt zu, daß sie heute nicht mehr die Märchenburg seiner Kindheit ist. Wenn das Instandsetzen den Zauber zerstört hat, warum hatte er sie dann restauriert? “Ja, das haben mich viele Leute gefragt “, sagte er. “Die Alternative ist, es zu lassen, wie es ist – und in dreißig, vierzig Jahren ist alles weg. Da muß man sich entscheiden.“

Ich fuhr zurück nach Hause und verfluchte diesen Lämmerhirt von Gera bis Berlin. Er hatte sein Stück Mittelalter gefunden. In achtzehn Jahren Deutschland war mir das nicht gelungen. Als ich Berlin erreichte, war ich bereits dabei, einen Plan zu schmieden.

Ich entwarf eine Route, die mich durch all die mittelalterlichen Orte in Deutschland führte, über die ich so oft gelesen hatte. Das würde eine lange Reise werden. Vielleicht ein Jahr. Als ich ausrechnete, was es mich kosten würde, sah ich, daß ich es mir nicht leisten konnte.

Trotz alledem, ich trug die Liste ein paar Monate mit mir herum, arrangierte die Route um, strich Orte weg und fügte neue dazu. Irgendetwas stimmte nicht damit, und nach einer Weile wurde mir auch klar, was: Da waren keine Menschen auf der Liste.

Ich machte eine neue Liste, diesmal von den Personen des Mittelalters, die mich am meisten faszinierten. Einige von ihnen waren mir vertrauter als die anderen. Ich hatte die Werke der Dichter gelesen, aber ich wußte kaum etwas über die Prinzessin oder den Kaiser. Mein Lieblingsritter lebte noch nicht mal in Deutschland, sondern im heutigen Österreich. Sogar fiktive Personen waren auf der Liste: Meine blutrünstigen Barbaren stammten direkt aus einer mittelalterlichen Legende.

Die neue Reiseroute war eine Art Pilgerreise, die mich im Zickzackkurs durch Deutschland führen würde, zu den Orten, an denen meine Helden geboren und an denen sie gestorben waren, an denen sie geschlafen und gefrühstückt hatten, zu den Landschaften, durch die sie gewandert waren, den Stätten, an denen sie Entscheidungen getroffen hatten, die die Welt verändern sollten.

Es war der alte Traum von Karl dem Großen, nur mit besseren Chancen. Wenn er nicht auf irgendeinem nebelverhangenen Hügel auftauchen würde, vielleicht würde es ja einer der anderen tun.

Monate vergingen. Eines Tages war ich wieder einmal in München, meinem alten Domizil. Offiziell, um vom Münchner Filmfest zu berichten, aber das war mehr oder weniger eine gute Ausrede, um alte Freunde zu treffen und mit affektierten jungen Schauspielerinnen an der Bar zu flirten.

Eines Nachts, nach ein paar Drinks mit einer alten Freundin, die auch nach Deutschland ausgewandert war, wurde ich sentimental bei dem Gedanken, dieses Land zu verlassen. Sie wußte, welche Frage mich wirklich beschäftigte: Sollte ich mich auf diese Mittelalterreise begeben oder nicht? Sie reduzierte das ganze Problem auf einen Satz: “Sobald du erst wieder zurück in Amerika bist, wirst du es nicht mehr tun.”

Danach brauchte ich noch ein paar Drinks.

Mitternacht war schon vorbei, als ich meine Freundin in Berlin anrief und ihr erzählte, daß ich darüber nachdachte, die Reise doch zu machen. Sie war ein deutsches Mädchen. Sie war nie entzückt gewesen von dem Gedanken, mit mir nach Amerika zu gehen, aber der September rückte näher, und sie hatte sich entschieden, mit mir zu kommen. Sie hatte ihren Job bereits gekündigt und ihre Wohnung auch. Sie hatte sich darauf eingelassen, und jetzt kam ich mit einem Rückzieher.

Sie hatte jedes Recht, sich verraten zu fühlen, und genau das sagte sie mir auch, und sie beschwerte sich bitter, bis ich mich fühlte wie der rücksichtslose Machomiesling, der ich war.

Dann war Stille am andern Ende der Leitung. Sie weinte mit der Hand über dem Hörer.

Ich hatte keine andere Wahl, als die blöde Idee fallenzulassen, und war gerade dabei, das zu tun, als mächtig was aus ihr herausplatzte, als ob sie versuchte, es zurückzuhalten, es aber nicht länger schaffte: “Ich will, daß du diese Reise machst “, sagte sie.

“Was?”

“Ich will, daß du die Reise machst.”

Ich rief in Los Angeles an und sagte den Job ab.

Einige Bemerkungen zu "Die Nibelungenreise"

Das ist das einzige Buch, das ich zuerst auf Englisch schrieb, dann ins Deutsche übersetzen ließ. Astrid hat es übersetzt.
 
Es erschien 2004.
 
Es gab ein Hardcover und ein Taschenbuch und eine Ausgabe von National Geographic unter dem neuen Titel "Planet Mittelalter".
 
Hier eine schöne Kritik aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
 
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